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Architekturwettbewerb der Muslimischen Akademie Heidelberg

In Heidelberg entsteht ein Haus der politischen Bildung in muslimischer Trägerschaft – ein deutschlandweit sowie international einzigartiges Vorhaben, für das nun die finale Phase des Architekturwettbewerbs der Muslimischen Akademie Heidelberg eingeläutet wurde. Am Donnerstag, 30. November 2023 legte eine interdisziplinär besetzte Jury mit Vertreter*innen aus Architektur, politischer Bildung, Stadtverwaltung und Gemeinderat eine Rangfolge der Entwürfe des zweiten Wettbewerbsphase fest. Bei der Bewertung spielte neben den Qualitäten des Entwurfes auch die Entwicklungsfähigkeit eine Rolle.

Aufgabenstellung für den Wettbewerb 
Wie kann eine Architektursprache aussehen, die eine muslimische Identität in Deutschland repräsentiert ohne Stereotype zu reproduzieren? Wie kann die Verwurzelung der Akademie in Heidelberg über das Gebäude gezeigt werden? Wie kann die Architektur den Modellcharakter des Vorhabens ausdrücken? Und wie kann ein offener Ort für die Stadt geschaffen werden, der Möglichkeit für Reflektion und Diskurs bietet? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Wettbewerbsauslobung – stets unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und einer harmonischen Einbindung in den Stadtteil.

1. Rang: baurmann dürr Architekten (Karlsruhe) mit BHM Planungsgesellschaft (Bruchsal)
baumann dürr Architekten (Karlsruhe) mit BHM Planungsgesellschaft (Bruchsal) überzeugte die Jury mit ihrem Entwurf in besonderem Maße. Der Entwurf habe das große Potential, die wichtige Frage nach der muslimischen Identität zu beantworten. Dazu ist dem Gebäude eine Keramikfassade vorgehängt, die Assoziationen mit islamischer Ornamentik weckt. Über die transparente Fassadenstruktur und gezielt gesetzte Loggien tritt die Akademie in diesem Entwurf in besonderem Maße in Kommunikation mit dem Stadtraum und wirkt offen und einladend. Das Gebäude integriert sich selbstverständlich in das Umfeld der Heidelberger Bahnstadt. Es zeigte sich zurückhaltend, besäße aber zugleich große Strahlkraft, so die Jury.

2. Rang: Yonder Architektur und Design (Stuttgart) mit PEYKER Landschaftsarchitektur (Schönaich)
Yonder Architektur und Design (Stuttgart) mit PEYKER Landschaftsarchitektur (Schönaich) schlagen für die Muslimische Akademie eine klimapositive, low-tech Holzkonstruktion mit einer auffällig gestalteten, „reliefartigen“ Fassade und üppiger Begrünung der Dach- und Terrassenflächen vor. Die collageartig zusammengefügten Fassadenelemente bestehen aus Photovoltaik-Modulen in unterschiedlichen Größen und stellen eine subtile Interpretation muslimischer Ornamentik dar. Die Dachterrassen sind in diesem Entwurf als halböffentliche Freiräume vorgesehen, die zur Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben einladen.  Die Jury lobte den Entwurf insbesondere für seine Freiraumgestaltung und die interessanten Übergänge des Gebäudes von Außen nach Innen.

4. Rang: ACME (Berlin/ London) mit SPACEHUB Landschaftsarchitekten (London)
ACME (Berlin/ London) mit SPACEHUB Landschaftsarchitekten (London) sehen ein Gebäude mit Holztragwerk vor, das durch einen öffentlich zugänglichen Sockelbereich mit Holz verkleideten Bögen die Verwurzelung der Muslimischen Akademie in Heidelberg zum Ausdruck bringen soll. Die Jury lobte die Fassade, die in diesem Entwurf aus perforiertem Metall mit geometrisch konstruierten Mustern besteht, das die feine Handwerklichkeit islamischer Architektur aufnimmt. Die Jury hob die zahlreichen nutzbaren Innenhöfe und loggienartigen Einschnitte als positiv für die Nutzer*innen hervor; aus energetischer Gesichtspunkten wurde dies allerdings kritisch bewertet.

4. Rang: MGF Architekten (Stuttgart) mit Wiedmann + Schweizer Landschaftsarchitektur (Stuttgart)
MGF Architekten (Stuttgart) mit Wiedmann + Schweizer Landschaftsarchitektur (Stuttgart) entwerfen die Muslimische Akademie Heidelberg aus Recyclingbeton und einer Fassade aus Recyclingziegeln. Das Muster der Backsteinfassade erinnert an Teppiche mit verwebten und gegliederten Flächen. Der begrünte und von einem Filtermauerwerk umschlossenen Dachgarten mit dem Wasserbecken und die Dachfläche dienen als Wasserspeicher des Niederschlagswassers. Die Gestaltung der Innenräume und die Blickmöglichkeiten und Öffnungen nach Außen überzeugten die Jury, die Eingangssituationen und Bezüge in die Marga-Faulstich-Straße bewertete das Gremium jedoch als weniger vielversprechend. 

Zum Wettbewerbsprozess
30 führende Architektenbüros aus dem In- und Ausland – davon 8 zugeladen und 22 aus insgesamt über 100 Bewerbungen zugelost – waren zur Teilnahme an der ersten Stufe des zweistufigen, anonymisierten, internationalen Wettbewerbs zugelassen. Diesen hatte die Muslimische Akademie Heidelberg gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) Heidelberg und der Stadt Heidelberg im Dezember 2022 ausgelobt. Mit der Muslimischen Akademie soll in der Heidelberger Bahnstadt eine weltweit einmalige Bildungseinrichtung mit Räumen für Tagungen, Fortbildungen, Übernachtung, gastronomischem Angebot, einer Kinderbetreuung und attraktiven, öffentlich nutzbaren Freiräumen entstehen.

So geht es weiter
Im Frühjahr 2024 erfolgen nun die Bietergespräche, in deren Rahmen die Architekturbüros Angebote zu ihren Entwürfen abgeben. Nach den finalen Gesprächen kommt es dann zu einer Entscheidung für eine Planungsgemeinschaft und ihren Entwurf – der Architektur der Muslimischen Akademie Heidelberg. 
Alle vier Siegerentwürfe und die Plandarstellungen finden Sie online unter: www.muslimische-akademie-heidelberg.de/bauvorhaben

„Das rund 850 Quadratmeter große Baugrundstück der Muslimischen Akademie Heidelberg hat im Sinne eines Eingangstores in die Bahnstadt eine übergeordnete, städtebauliche Bedeutung. Für dieses einzigartige Vorhaben an exponierter Stelle ist es uns gelungen, aus vier starken Entwürfen eine Rangreihenfolge zu küren. Wir freuen uns, den Begegnungsangeboten der Muslimischen Akademie in Heidelberg nun eine räumliche Entsprechung zu geben. Dies ist in den heutigen Zeiten wichtiger denn je.“ 
Jürgen Odszuck, Erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg

„Die Überarbeitung der Entwürfe ist ein großer Schritt hin zur inhaltlichen Erweiterung unserer Akademie. Die Akademie führt jährlich bereits über 150 Veranstaltungen durch und hat seit dem Gründungsimpuls im Jahr 2013 eine Strahlkraft weit über Heidelberg hinaus entwickelt. Der bestbewertete Entwurf von baurmann dürr Architekten mit BHM Planungsgesellschaft gibt unserer Haltung und unserem Programm eine starke räumliche Entsprechung. Unser Dank gilt der Stadt Heidelberg und allen Weiteren für die bisher geleistete Unterstützung und wir freuen uns auf die nächsten Schritte.“
Yasemin Soylu, Geschäftsführerin Muslimische Akademie Heidelberg

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